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Interview in Leben und Erziehen


in der Ausgabe 8/2018 des Elternmagazins „Leben und Erziehen“ findet sich ein Interview mit mir zum Thema „Kinderfreundschaften“

hier zum Nachlesen:

LE_2018_08

neue Videoreihe mit Heinz Oswald


https://www.youtube.com/watch?v=FXymtsgaYSU

Der Bamberger „Heinz Oswald“ (Ihr wisst schon, der bei seiner Mama wohnt) startet nun auf dem Videokanal von 100% Bamberg
Folgt ihm doch und lasst ein like da;)

Das Spannungsfeld Integrität und Kooperation


Integrität und Kooperation: „Mir zuliebe“ trifft „Dir zuliebe“

Jeden Moment in unserem Leben treffen wir Entscheidungen. Beim Entscheiden lassen wir uns dabei von verschiedenen Spannungsfeldern leiden.
Das Spannungsfeld, welches am häufigsten unsere Entscheidungen beeinflusst, ist das Spannungsfeld zwischen unserer eigenen Integrität und der Kooperation mit der Umwelt, oder kurz und vereinfacht ausgedrückt „Mir zuliebe“ und „Dir zuliebe“.
Jesper Juul beschreibt Integrität als ein „Gefühl von Ganzheit und Verbindung zwischen innerer und äußerlicher Verantwortlichkeit“1. Was jedoch meint er damit?
Meine Integrität bedeutet alles, was ich brauche, um für mich in Balance zu sein. Um mich wohlzufühlen in meiner Haut und mich ganz und gar verbunden mit mir selbst zu fühlen. Dieser Zustand ist quasi mein innerer „Ort“, an dem ich merke, was ich brauche und was mir jetzt wichtig ist. Welche Bedürfnisse ich gerade habe und was mich so erfüllt, dass es mir gut geht. Mehr dazu später.
Kooperation, das „Dir zuliebe“, bezeichnet unsere Fähigkeit, uns anzupassen an unsere Umwelt. Dinge für andere zu tun, uns auch zurückzustellen z.B. zum Wohle des Ganzen, etc.
Grundsätzlich kooperieren wir Menschen sehr gerne. Wir sind soziale Wesen und brauchen einander.
Wir machen gerne Dinge für andere und bekommen dadurch natürlich auch Rückfluss in Form von Anerkennung und Wertschätzung beispielsweise.

Wir kooperieren gerne bis, ja, bis es uns reicht. Bis wir merken, nun brauchen wir etwas für uns selbst, um uns weiterhin oder wieder wohlzufühlen.
Das ist der Moment, in dem unsere Integrität wichtig wird, unsere „innere Stimme“ sagt: Stopp, genug kooperiert, du willst doch jetzt etwas anderes!“.
Ein Beispiel aus der „Paarbeziehungswelt“:
Michael und Kerstin verlieben sich. Sie haben sich gerade kennengelernt und gefallen aneinander. Nun beginnt eine Phase intensiver Kooperation. Beide bemühen sich um den anderen, geben sich dem anderen hin, tun vieles dem anderen zuliebe und erfreuen sich an den Geschenken, die durch die Kooperation jeweils gemacht werden.
Wenn Michael Kerstin beispielsweise fragt, ob sie mit ihm ins Kino gehen will, geht sie gerne mit. Schließlich mag sie gerne Zeit mit ihm verbringen. Der Film ist eher Nebensache, Hauptsache man unternimmt etwas gemeinsam… Schließlich mag sie ja Michael gerne kennenlernen.
Diese Zeit der intensiven Kooperation geht naturgemäß irgendwann zu Ende – so wie das „frisch Verliebtsein“ ja auch Platz macht für etwas anderes.
Nach einigen Wochen fragt Michael Kerstin wieder einmal, ob sie mit ihm ins Kino gehen mag. Kerstin merkt aber, dass sie nicht mag. Gedanken wie „ich mag nicht schon wieder einen Actionfilm sehen“ oder „ich hab genug von Laserschwertern und Raumschiffen“ signalisieren ihr deutlich, dass sie heute keine Lust auf Kooperation hat. Hier meldet sich ihre eigene Integrität zu Wort und erinnert sie daran, dass sie auch etwas „für sich“ braucht. Vielleicht merkt sie, dass ihr mehr nach einem heißen Bad in Ruhe, nach einem Treffen mit ihrer Freundin oder nach einfach nur Zeit für sich haben ist.
Nun ist die Frage, ob sie dies Michael auch so sagen kann. Oder denkt sie vielleicht: „Wenn ich ihm das sage, dann wird er enttäuscht sein. Aber ich liebe ihn doch und möchte nicht, dass es ihm schlecht geht wegen mir.“
Angenommen, sie entscheidet sich, ihm nicht zu sagen, dass sie heute eigentlich lieber Zeit für sich hätte und geht mit ihm ins Kino – obwohl sie eigentlich gar nicht will. Dann tritt sie selbst über ihre eigene Integritätsgrenze und „missbraucht“ sich selbst. Dies hat Folgen. Es löst ein Gefühl von Fremdbestimmung in ihr aus und es entsteht Aggression2. Diese muss sie nun irgendwohin richten.
Das kann dazu führen, dass sie aus scheinbar heiterem Himmel einen Streit mit Michael vom Zaun bricht, damit die Aggression ein Ventil findet. Oder aber sie versucht, dieses Gefühl zu unterdrücken. Dadurch verschwindet es aber nicht, sondern sammelt sich im Körper an. Geschieht dies nun wieder und wieder, dass sie über ihre eigene Grenze hinweg kooperiert, weil sie meint, sie müsste mitmachen – dann füllt sich der „Pott“3 in ihrem Innern mit immer mehr Aggression. Irgendwann, bei einem scheinbar unwichtigen Anlass, wird Michael vielleicht etwas zu ihr sagen, woraufhin sie explodiert und die ganze gesammelte Aggression gegen Michael richtet. Der Arme weiß gar nicht, wie ihm geschieht, denn es waren ja ihre inneren Prozesse der Selbstunterdrückung, die sie zur Kooperation gegen sich selbst gebracht haben – er hat damit nicht das Geringste zu tun. Dementsprechend sieht er sich mit einer extrem wütenden Kerstin konfrontiert und weiß gar nicht, wie er dem begegnen soll.
Angenommen, Kerstin entscheidet sich, ihrer Integrität zu folgen und zu Michael zu sagen: „Michael ich möchte heute nicht mit dir ins Kino. Ich möchte heute etwas für mich machen“. Damit würde sie ihrem inneren Gefühl entsprechend handeln und sich selbst treu bleiben.
Wie aber reagiert Michael wohl darauf?
Drei übliche Reaktionsmuster, wenn unser Gegenüber nicht kooperieren mag, sind typisch:
1. Unverständnis
„Wie du willst nicht mit ins Kino, du bist aber doch sonst immer gerne mit? Hab ich was falsch gemacht? Liebst du mich vielleicht nicht mehr, brauchen wir eine Therapie? Gibt es einen anderen? Was hab ich dir denn getan?“
2. Bestechung
„Schatz, ich weiß, dir hat das Kleid im Laden X so gut gefallen… Wenn du heute mit ins Kino gehst, fahr ich morgen nach der Arbeit gleich bei dem vorbei und….“
3. Erpressung
„Wenn du mich liebst, dann gehst du mit mir ins Kino. Liebe bedeutet für mich, mit dem anderen ins Kino zu gehen“4

Alle drei Strategien versuchen, den anderen zur Kooperation zu bewegen, ihn dazu zu bringen, doch mit und für uns etwas zu tun, damit es uns besser geht.
Lässt sich Kerstin nun überreden oder „zwingen entsteht das Gefühl von Aggression ähnlich, wie wenn sie sich selbst gegen den Ruf ihrer Integrität entscheidet. Allerdings jetzt gleich gerichtet auf Michael. Dies kann zu einem dramatischen Abend führen, mit Streit und Wut und allem, was man sich gegenseitig vorwerfen mag. Alternativ schluckt sie alles hinunter, bis es zu viel ist, es dann plötzlich aus ihr herausbricht oder sie durch die permanente Unterdrückung krank wird.
Was jedoch bräuchte Kerstin wirklich von ihrem Freund?
Sein Verständnis ihrer Befindlichkeit. In dem Moment, in dem Michael ihr signalisiert, dass er den Wunsch ihrer Integrität respektiert, kann Kerstin sich entspannen und wieder von sich aus auf ihn zugehen, denn ihre Wünsche wurden gesehen und wahrgenommen. Es kann sogar sein, dass sie sich zwei Minuten später umentscheidet und sagt „Warte Liebling, ich möchte doch mit ins Kino“. Dies, weil sie es aus sich und aus dem Gesehen werden heraus frei entscheidet – nicht, weil es von ihr verlangt und eingefordert wird.
In dem Moment, in dem der andere uns „sieht“, können wir wieder auf ihn zugehen.
Was aber hat das mit Kinder“erziehung“zu tun?

Kinder kooperieren auch gerne und immer mit ihren Eltern. Weniger mit dem, was die Eltern sagen, als vielmehr mit dem, was die Eltern ausstrahlen (an unbewussten Erwartungen, Meinungen, Gefühlen und Emotionen)
Wenn zum Beispiel die Mutter der Erzieherin in der KITA ihr Leid klagt:
„Mein Kind kann mich einfach nicht loslassen. Jeden Tag macht es an der Kindergartentür ein Riesentheater und schreit und jammert nach mir. Ich weiß gar nicht, was ich tun soll. Mein Kind scheint ohne mich nicht klarzukommen.“ Dann kann es gut sein, dass das eigentliche Problem die Mutter hat, nicht das Kind. Sie möchte ihr Kind am liebsten gar nicht loslassen und braucht vielleicht die permanente Bestätigung, unersetzlich für das Kind zu sein. Das Kind kooperiert mit dieser Einstellung der Mutter und fabriziert ein astreines Theater, um der Mutter „Recht“ zu geben. So bestätigt es die innere Einstellung der Mutter.
Aber auch Kinder haben in ihrer Kooperation Grenzen und zeigen irgendwann deutlich ihre eigene Integrität. Wir nennen das dann gerne „Trotzphase“ oder „Pubertät“ oder diagnostizieren Verhaltensproblematiken. Dabei möchte das Kind nur sein Eigenes ausdrücken und „gesehen“ wissen.
Nun denken sie an die oben beschriebenen Reaktionsmuster. Wer von uns hat noch nie eines dieser Muster im Umgang mit seinen Kindern gezeigt?
Und dem Kind geht es ähnlich wie Kerstin in unserem Paarbeispiel.
Es möchte in seiner Selbstäusserung gesehen und wahrgenommen werden. Dann kann es auch sofort wieder in Kooperation treten.
Viel zu oft aber unterdrücken wir als Erwachsene die Selbstäußerung des Kindes und erklären sie weg („Du brauchst doch keine Angst zu haben, so etwas gibt es gar nicht“) oder verlangen Kooperation, weil wir unsere Erziehungswerte für absolut halten.
Zeigen wir nun eines der oben erwähnten Muster, so löst das beim Kind auch das Gefühl von Aggression aus. Das Kind, welches aber gerade erst auf dem Weg ist scih selbst zu finden, kann mit diesem Gefühl womöglich noch gar nicht umgehen bzw es richtig zuordnen. Es erlebt die Versuche der Eltern es zur Kooperation zu zwingen als „ich möchte so, aber meine Eltern signalisieren mir deutlich dass das, was ich will falsch ist und ihres richtig. Ich scheine also falsch zu sein“ Das ergebnis dieses Prozesses kann ein defizitärer Selbstwert sein (s.u.), das Kind verleirt das Vertrauen zu sich selbst, das Gefühl, dass es „richtig“ ist in seinem Gefühlserleben und seinen Bedürfnissen.
Dabei wäre es so einfach. Wir bräuchten in vielen Fällen dem Kind nur zeigen, dass wir es in seinen Wünschen und Bedürfnissen wahrnehmen und dann sagen, „wo wir stehen“.
Das Kind wahrzunehmen heißt im Übrigen nicht, dem Kind alle Wünsche zu erfüllen. Wahrnehmen heißt wahrnehmen und nicht mehr. Wir sind nicht die „Befehlsempfänger“ des Kindes5.
Stellen sie sich vor, der Vater sagt zu seiner Tochter: „Ich will, dass du den Müll runterbringst“. Diese nimmt ihre eigene Integrität wahr und antwortet „Neeeee, Müll runterbringen ist eklig!“ Eine mögliche Reaktion des Vaters wäre, wütend zu werden und das Kind anzuschreien „Du machst gefälligst, was ich sage! Wo kommen wir denn hin, wenn jeder macht, was er will. Ich kann auf meiner Arbeit auch nicht einfach nur machen, was ich mag… Solang du deine Füße unter meinen Tisch stellst,… Wir sind eine Familie hier muss jeder seinen Teil beitragen!“ Dies würde die Tochter allerdings überhaupt nicht wahrnehmen. Genauso wenig würde ein „Natürlich musst du nichts machen, was du nicht willst, mein Schatz“ der Beziehung zuträglich sein, denn dann würde der Vater über sein eigenes Bedürfnis hinweggehen.
Das Kind wahrzunehmen, könnte in diesem Fall heißen: „Du magst den Müll nicht runterbringen?“ „Nein, der ist eklig und stinkt“ „Ja das kann ich verstehen, dass das eklig ist und du das nicht magst“ „Genau!“ „Aber weißt du was, du musst das nicht mögen, den Müll runterzubringen, du kannst den ganzen Weg runter schimpfen und es eklig finden. Trotzdem möchte ich, dass du den Müll jetzt runterbringst.“ „Jajajaja….“
Gewiss, das klingt etwas konstruiert, aber hier wird deutlich, was ich meine. Der Vater macht das Gefühl des Kindes nicht weg, sondern er akzeptiert das als Äußerung des Kindes, nimmt dessen Integrität wahr und sagt dann, was er von dem Kind möchte.
So erfährt das Kind sich in seinen Gefühlen nicht als falsch. Es darf fühlen was es möchte. Trotzdem äussert der Vater deutlich sein Bedürfnis und gibt damit dem Kind auch klar ein Vorbild, wie er mit den unterschiedlichen Bedürfnissen in der Kommunikation umgeht.
Manchmal scheint unsere Umwelt also eine Kooperation zu verlangen, die unsere Integrität massiv beeinflusst. Und je nachdem wie wir gelernt und erfahren haben zu unserer eigenen Integrität zu stehen, reagieren wir angepasst oder „rebellisch“. Richten uns nach dem „dir zuliebe“ oder dem „mir zuliebe“.

Werte – Authentizität


Oft glauben wir als Eltern, wir müssten bestimmten pädagogischen Zielen zustreben, etwas bestimmtes erreichen, eine bestimmte Lernerfahrung vermitteln. Wenn wir aber zu sehr „pädagogisch“sein wollen, vernachlässigen und unterdrücken wir oft eigene Bedürfnisse und Gefühle. Aber nur, wenn Eltern authentisch sind, können sie eine gleichwürdige Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen haben. Es geht ja immer um das „hier bin ich-wo bist du?“ in der Begegnung.

Durch die Echtheit der Eltern lernen die Jugendlichen, was es heißt, selbst-verantwortlich anderen zu begegnen. Wenn Eltern nicht authentisch sind, machen sich zum „Opfer“ der Situation, d.h. sie geben ihre persönliche Verantwortung ab. An die Fachleute,“die ja gesagt haben“, an die Normen, an bestimmte Ziele, an die Umwelt, an ein „das macht man so“ etwa…. die eigene Gefühle und Bedürfnisse werden dann oft nicht thematisiert und bekommen keinen Raum. Kinder wollen aber wissen, „WER“ wir sind und was hinter unseren Aussagen steht. Sie wollen uns Eltern in unserer Ganzheit erfahren und erleben.

Authentische Eltern sind immer auch greifbare Gegenüber, mit denen sich das Kind oder der Jugendliche auseinandersetzen kann, an denen er die eigene Position finden kann. Wenn wir un-authentisch pädagogisch sind und uns aus der Begegnung „rausziehen“, geht es nur noch um z.B. die Erfüllung einer Regel aber nicht mehr darum, wie ich sie finde, weshalb ich sie wichtig finde, was meine Bedürfnisse und meine Gefühle dazu sind. Die Auseinandersetzung stellt sich dann in die Beziehung hinein und verhindert echtes Begegnen. Dies aber genau brauchen unsere Kinder.

Lehrer sein: Die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz


 

Jeder Lehrer erlebt in seinem Alltag zahlreiche Konfliktsituationen. In der Schule hat man es immer wieder mit Streitereien auf dem Pausenhof, im Klassenzimmer, Mobbing oder Autoritätsproblemen zu tun. Manchmal scheinen solche Konflikte aussichtslos zu sein. Die Situation wirkt erstarrt, alles scheint verfahren. Gerade als junger Lehrer fühlt man sich dann oft hilflos. Denn traditionelle Reglementierungen wie Schulverweise, Nachsitzen, Strafarbeiten und ähnliches laufen meist ins Leere. Eine wirklich nachhaltige Konfliktlösung gelingt nur, wenn Lehrer die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu ihren Schülern finden. Gebraucht wird dafür ein gutes Maß an Beziehungskompetenz, das heißt die Fähigkeit, in Konfliktsituationen in einen konstruktiven Dialog miteinander zu treten. Doch während die Fachkompetenz bei den allermeisten Lehrern sehr professionell ist, wurde die Ausbildung der Beziehungskompetenz im Studium meist vergessen. Dem kann entgegengewirkt werden unter anderem mit Coachings oder auch mit einer guten Selbstreflexion.

Grundsätzlich gilt: immer wenn zwei Menschen etwas unterschiedliches wollen, befinden sie sich schon in einem Konflikt. Wenn sich beide darüber austauschen, dann verschwindet der Konflikt wieder. Wichtigste Voraussetzung für einen konstruktiven Lehrer-Schüler-Dialog ist dabei Authentizität. Denn häufig agierten Lehrer ausschließlich auf Basis ihres Rollenverständnisses als Lehrer. Sie denken, sie müssten aus ihrer Lehrerrolle heraus sich in einer bestimmten Art und Weise verhalten, auch wenn das nicht zu ihrer eigenen Befindlichkeit passt. Ein konkretes Beispiel: Rauchen ist bekanntermaßen ungesund und auf dem Schulgelände in der Regel verboten. Wenn Jugendliche auf einem Gymnasium oder einer Berufsschule trotzdem rauchen, werden die meisten Pädagogen darauf zu pochen, dass die Nichtraucherregel eingehalten wird. Problematisch wird die Situation allerdings, wenn der Lehrer selbst ein Raucher ist. Dann nämlich kommt er in einen inneren Konflikt und agiert nicht wirklich authentisch. Das merken die Jugendlichen und werden die Forderung, nicht auf dem Schulgelände zu rauchen, bei der nächsten Gelegenheit einfach ignorieren.

Oder ein anderes Beispiel: Ein verhaltensauffälliges Kind stört permanent den Unterricht. Es wiederholt aufzufordern, ruhig zu sein, wird keinen langanhaltenden Erfolg zeigen. Der Lehrer könnte aber auf das Kind zugehen und sagen: Ich merke, dass Du unruhig bist. Was stört Dich? In diesem Fall wird kommt ein Dialog zustande, der zum Ausweg führen kann.

Schüler spüren ambivalente Situationen, in denen sich der Lehrer hinter seiner Lehrerrolle versteckt und dabei eigene Bedürfnisse und Gefühle unterdrückt. Und wenn Lehrer nur noch als Ausführende des Systems Schule wahrgenommen werden, verschärfen sich die Konfliktsituationen. Aus Sicht der Schülers ist man als Teil des Schulsystems immer „mächtiger“ als eine konkrete Person. Gegen diese Übermacht, bleibt dem Schüler oft nur Resignation oder eben die „Revolte“.

Um in einen Dialog treten zu können, brauchen Schüler also ein authentisches Gegenüber. Sie wollen wissen, Lehrer wo bist Du wirklich? Durch die Echtheit lernen die Kinder, was es heißt, selbst-verantwortlich anderen gegenüber zu begegnen. Das klappt nur, wen Lehrer als erstes das Versteckspiel hinter all den „man sollte“ oder „man darf nicht“ aufgeben und in eine persönlichen Verantwortung mit persönlicher Sprache in Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen treten.

Neben Authentizität ist auch das Stichwort Gleichwürdigkeit wichtig. Gemeint ist ausdrücklich nicht Gleichheit oder Gleichberechtigung, denn in der Begegnung zwischen Erwachsenen und Kindern trägt immer der Erwachsene die Verantwortung für die Qualität der Beziehung. In der Schule hat der Lehrer mehr Macht im Kommunikationsprozess, er hat die Definitionsmacht des „Abbrechens“, er bestimmt über die Ressourcen, den Ort der Kommunikation und vieles mehr. Insofern ist die Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler keine gleichberechtigte im engeren Sinne.

Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern sollte jedoch ein gleichwürdiges sein. Denn Gleichwürdigkeit wird dem fundamentalen Bedürfnis aller Menschen gerecht, gesehen, gehört und als Individuum ernst genommen zu werden. In gleichwürdigen Beziehungen werden die Wünsche, Anschauungen und Bedürfnisse beider Partner registriert. Die Entscheidung trifft letzten Endes zwar meistens doch der Erwachsene, aber erst, nachdem er die Meinungen der Kinder gewürdigt und ernst genommen hat. Wenn die eigene Integrität gewahrt ist, dann kooperiert der Mensch gerne mit anderen und kann persönliche Verantwortung übernehmen. Das wiederum ist die Voraussetzung, damit Kinder und Jugendliche auch aktive Mitverantwortung für andere und die Schulgemeinschaft tragen.

Werte – Eigenverantwortung


hallo liebe LeserInnen,
weiter geht es mit Beziehungswerten.
Heute möchte ich den Begriff Eigenverantwortung bzw persönliche Verantwortung näher beleuchten…

Eigenverantwortung heißt persönliche Verantwortung. Verantwortung für unser eigenes Verhalten, unsere Gefühle, unsere Reaktionen, unsere Werte, usw. In der Begegnung zwischen Erwachsenen und Jugendlichen oder Kind trägt der Erwachsene die Verantwortung für die Qualität der Beziehung, also die sog. Prozessverantwortung.
Damit Kinder und Jugendliche eine gesunde Selbstachtung und einen starken Sinn für persönliche Verantwortung entwickeln können brauchen Sie die Erfahrung beständiger Fürsorge für die Wahrung ihrer persönlichen Integrität, das Kind braucht es, „gesehen“ zu werden.
Hierbei heisst gesehen werden nicht dass das Kind alles darf! Sondern, dass wir es wahrnehmen, in dem was es will, es nicht falsch machen in seinem Bedürfnis und Gefühl, aber trotzdem auch unsere Verantwortung übernehmen und so dem Kind authentisches Gegenüber sind.
Verantwortung kann man nicht lernen, man bekommt sie übertragen. Nur wenn das Kinde/ der Jugendliche seine persönliche Verantwortung übernehmen kann und wir ihm das auch lassen, ist er auch in der Lage, aktiv Mitverantwortung für andere und die Gemeinschaft zu tragen.
Denn aus dem gesehen werden und der Erfahrung in der persönlichen Verantwortung wahrgenommen zu werden erwächst der Wunsch, soziale Verantwortung zu übernehmen.
Oder kurz: Geht es mir mit meinen Bedürfnissen gut, gebe ich auch gerne.
mailt mir gerne Eure Kommentare an ask@dirk-bayer.de

Werte in Beziehungen – Gleichwürdigkeit


Aufgrund vieler Nachfragen will ich hier in nächster Zeit einige Werte, die für erfüllende dialogische Beziehungen wichtig sind genauer darstellen…..
Anfangen möchte ich mit Gleichwürdigkeit:

Gleichwürdigkeit wird dem fundamentalen Bedürfnis aller Menschen gerecht, gesehen, gehört und als Individuum ernst genommen zu werden. Gleichwürdigkeit ist nicht Gleichheit oder Gleichberechtigung. Eltern haben die Führung aber das Kind und der Jugendliche wird als wahrer Mensch wahrgenommen, seine Ideen, Erfahrungen und Gefühle werden mit einbezogen. In gleichwürdigen Beziehungen werden die Wünsche, Anschauungen und Bedürfnisse beider Partner ernst genommen. „Ich gebe Dir diesselbe Würde, die ich für mich einfordere“
Im Moment in dem wir gleichwürdig handeln respektieren wir unser Gegenüber – es entsteht ein „ich bin ok – du bist ok“.

Das gilt im übrigen nicht nur für Eltern-Kind Beziehungen, auch am Arbeitsplatz erhöht eine ein gleichwürdiger Umgang die Beziehungs- und Wohlfühlqualität erheblich.

DIE KINDER LERNEN UND LIEBEN DAS SET


schöne Rückmeldung einer Lehrkraft zu meinem Gewaltpräventionsset:
Habe das Set in meiner Grundschulklasse Klasse 1 durchgeführt. Szenen vorgelesen und nachgespielt. Die Kinder machen begeistert mit, können sich in die verschiedenen Rollen reinversetzen. Szenen regen zum Nachdenken an, Gefühle äußern, Lösungen anbieten in Konfliktlösungen. Absolute Kaufempfehlung. Auf so etwas habe ich lange gewartet. Es hat sich gelohnt. Praxisnah einfach Top. Hochwertiges Material. Danke an den Autor und Wehrfritz.

 

https://wehrfritz.com/de_DE/konfliktloesungs-set-gewalt-kein-thema-emotionskontrolle-kompetenz-schule-hort/p/066652_1?zg=schule_hort

standing rock heute oder wie sich Zivilisation an sich wieder als Problem entpuppt….


….der amerikanische Präsident lässt nun also die Proteste zerschlagen. So dass der Profit weiter fliessen, das Geschäft weiter laufen kann… das System des immerwährenden Wachstums braucht es immerwährend zu wachsen. Sonst kann es sich nur gegen sich selbst kehren…das aber würde heissen, es müsste sich die eigene existentielle Lüge vor Augen führen – die Lüge der Getrenntheit. Der Glaube von der Erde und allem anderen Leben getrennt zu sein führt zu Besitzstreben, welches noch mehr Besitz braucht, um sich sicher zu fühlen. So besitzen wir. Land, Tiere, Menschen, Macht. Diese müssen wir uns wieder und wieder selbst vorführen, um weiter glauben zu können, dass sie mehr sei als blosse Illusion. Alles was uns darauf hinweisen könnte muss bekämpft und zerstört werden. Arno Grün nennt es „das Eigene im Fremden bekämpfen“…und so kämpfen wir..nur niemals nachdenken oder zur Ruhe kommen, denn das hiesse verlieren von Zeit und so möglicherweise von Besitz und dem was wir uns eingeredet haben was wichtig ist…und wir lassen zu, dass andere kämpfen. Denn in unserem unsicheren Inneren spüren wir zwar, dass die Wahrheit eine andere ist, aber wir trauen unserem inneren Gefühl nicht mehr…das haben wir gründlich durch die Prinzipien von Zivilisation verlernt….denn wie soll sich in der fortwährenden Angst, NICHTS zu haben Empathie entwickeln? Sind wir nicht selbst so sehr hungrig danach, gesehen und geliebt zu werden..und glauben „zuerst muss ich kommen, dann…..der andere“..aber genau hier liegt das Hemmnis….begreifen wir, dass geben immer bekommen ist, können wir vielleicht wieder Hände zu Händen oder Pfoten, dem Leben reichen….vielleicht wieder spüren wie gut es ist, NICHT zuerst an sich, an „I am first“zu denken sondern an „was brauchst du?“ würden wir dann noch so sein und handeln wie heute?
Würden wir dann noch Kriege führen, um was auch immer, wenn wir die heilende Wirkung von Empathie geben für unser eigenes Sein entdeckt haben? Ich weiss, narzisstische Störung kann durch Empathie geheilt werden, aber wer traut sich, sie einem Herrn Trump zu geben?

Gewaltpräventionsset ab jetzt auf dem Markt


Seit ein paar Tagen ist es soweit, das Set „Gewalt -(k)ein Thema“ ist nun käuflich zu erwerben.
Im Set spiegeln sich meine über 20 Jahre Gewaltprävention wieder und es wurde in den letzten drei Jahren entwickelt, um bei Konflikten und Gewalt neue Perspektiven zu eröffnen und zur Bewusstwerdung und neuen Wegen der Konfliktbearbeitung anzuregen.
Kaufen könnt Ihr das Set hier:

https://wehrfritz.com/de_DE/konfliktloesungs-set-gewalt-kein-thema-emotionskontrolle-kompetenz-schule-hort/p/066652_1?zg=schule_hort

In nächster Zeit wird es auch einen Link direkt auf der HP geben.